{"id":854,"date":"2004-07-20T00:00:00","date_gmt":"2004-07-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/archives\/854"},"modified":"2004-07-20T00:00:00","modified_gmt":"2004-07-19T22:00:00","slug":"rituale-zum-berleben-eines-zeltfestes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/Archive\/854","title":{"rendered":"Rituale zum \u00dcberleben eines Zeltfestes !"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>1. Bier bestellen<br \/>&nbsp;<br \/>Ein Bier bestellen geht schon mal gar nicht. Damit sagt man, dass man &#8217;ne knickrige Sau ist, keine Freunde hat oder Antialkoholiker ist, quasi das Allerletzte. Also immer mindestens zehn St&uuml;ck bestellen. Nie vorher abz&auml;hlen, wie viele Leute um einen herum stehen und dann genau die Anzahl bestellen! Einfach irgendeine Zahl &uuml;ber die Theke gr&ouml;len. Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie &uuml;berhaupt noch ein Bier haben wollen. Wichtige Regel: Gefragt wird nicht &#8211; saufen ist schlie&szlig;lich kein Spa&szlig;.<br \/>&nbsp;<br \/>2. Gro&szlig;z&uuml;gigkeit zeigen<br \/>&nbsp;<br \/>Wenn der Stoff da ist, nicht bl&ouml;d rumgucken und &uuml;berlegen, wem man denn eins in die Hand dr&uuml;cken soll. Am besten die Gl&auml;ser wild in der Umgebung verteilen, denn nur so zeigt man seine Gro&szlig;z&uuml;gigkeit.<br \/>&nbsp;<br \/>3. Bezahlen und Nachbestellen<br \/>&nbsp;<br \/>Wer zahlt wann welche Runde? In der Regel kommt jeder der Reihe nach dran. Ganz miese Wichser saufen die ersten neun Runden an der Theke mit und wenn sie an der Reihe w&auml;ren, m&uuml;ssen sie pl&ouml;tzlich pissen. Der erste Besteller bestimmt die Dauer des Projekts: Wenn er zw&ouml;lf Bier bestellt, m&uuml;ssen alle solange warten, bis zw&ouml;lf Runden durch sind. Wichtig ist, dass der Strom nie abrei&szlig;t. Also: Wenn alle noch die H&auml;lfte im Glas haben, sofort die n&auml;chste Runde ordern und das neue Glas in die Hand dr&uuml;cken. Was voll peinlich ist: Mit zwei Gl&auml;sern in der Hand an der Theke stehen. Deshalb ist Tempo angesagt beim reinsch&uuml;tten, ist schlie&szlig;lich kein Kindergeburtstag.<\/p>\n<p>4. Beschleuniger<br \/>&nbsp;<br \/>Richtig fiese Schweine bestellen zwischendurch noch &#8217;ne Runde&nbsp;Schnaps oder die absolute H&ouml;lle &quot;J&auml;germeister&quot;, eine Art braunes Schlangengift, das mit dem Eiter von toten Fr&ouml;schen verfeinert wurde. Hier wird&#8217;s ernst. Sollte sich so was andeuten, kann man blo&szlig; noch die Flucht ergreifen. Merke: Biersaufen auf dem Zeltfest kann man mit etwas Planung und Gl&uuml;ck &uuml;berleben; nach J&auml;germeister aber weigert sich sogar der Notarzt, diese Schweinerei wiederzubeleben.<\/p>\n<p>5. Pausen<br \/>&nbsp;<br \/>Konsequent durchgezogen, bist Du normalerweise im Zelt um halb neun stramm wie die Kesselflicker. Um diese Zeit kannst du allerdings noch nicht nach Hause, wegen Verdacht auf Weichei. Was also dann? Pause machen! Daf&uuml;r sind in der Regel zwei Sachen vorgesehen:<\/p>\n<p>a) W&uuml;rstelessen<br \/>&nbsp;<br \/>Vorteil: an der W&uuml;rschtlbude gibt&#8217;s keinen Rossbacher, da bist Du also eine zeitlang sicher vor der Alkoholvergiftung. Nun sind aber die Bratwurstst&auml;nde auf Zeltfesten immer so konzipiert, dass die Nachfrage immer gr&ouml;&szlig;er ist als das Angebot. In der Bude arbeiten auch meistens Fachkr&auml;fte, denen man beim Grillen die Schuhe besohlen kann. Nun sagt der Laie: \u0084Was f&uuml;r&#8217;n Schei&szlig;, das k&ouml;nnte man doch viel besser organisieren. Zackzack k&auml;men die W&uuml;rschtl &uuml;ber die Budel.&quot; Falsch: die mickrigen Bratwurstbuden sind absichtlich so konstruiert. Hier kann man Asyl beantragen von der Sauferei und je l&auml;nger man auf die Fettpeitsche warten muss, desto gr&ouml;&szlig;er die &Uuml;berlebenschance.<\/p>\n<p>b) Tanzen<br \/>&nbsp;<br \/>Im Vergleich zu Bratwurstfressen nat&uuml;rlich die schlechtere Alternative, weil anstrengend und mit Frauen. Aber irgendwann geht halt kein Bier mehr&nbsp;rein in den Magen und Du musst in den sauren Apfel bei&szlig;en. Also zack, einen Rochen von den B&auml;nken gerissen und irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Gl&uuml;ck hast, spielt die Kapelle mehr als zwei St&uuml;cke und Du kannst Dir ein paar Bier aus den Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort nach dem ersten St&uuml;ck der Thekenmarsch und Du stehst wieder da, von wo Du gerade geflohen bist.<\/p>\n<p>6. Sektbar<br \/>&nbsp;<br \/>Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox im Festzelt. Hier ist es so voll und so eng, hier bleibst Du auch noch stehen, wenn&#8217;s eigentlich nicht mehr geht. Doch der Preis, den Du f&uuml;r die Stehhilfe zahlst ist hoch: Du musst Sekt aus mickrigen Blumenvasen saufen. Ziemlich eklig alles. Wenn&#8217;s keine Sektbar gibt, gibt&#8217;s meist &#8217;ne Cocktailbar: Cocktail hei&szlig;t im Zelt aber nicht Caipirinha oder Margherita sondern&nbsp;Bacardi-Cola oder Gummib&auml;rli. Also vorsichtig: Hier kann&#8217;s ganz schnell zu Ende gehen.<\/p>\n<p>7. Kotzen<br \/>&nbsp;<br \/>Bevor Du endlich nach Hause darfst, kommt noch ein ganz wichtiger Punkt, n&auml;mlich das Kotzen. Klingt zwar schei&szlig;e, du wirst aber dankbar sein, wenn Dein K&ouml;rper Dir dieses Geschenk bereitet. Du hast Platz f&uuml;r neue Bratw&uuml;rste und vielleicht sogar Gl&uuml;ck, dass Du die letzten zwanzig Bier noch erwischst, bevor sie Dein Gehirn erreicht haben. Der Profi jedenfalls kotzt oft und gern.<\/p>\n<p>8. Die Letzten<br \/>&nbsp;<br \/>So jetzt w&auml;ren wir auch schon bald beim Nachhause gehen. Haha. Wenn Du aber den Zeitpunkt verpasst hast, und Du kommst vom Pissen oder Bratwurstkotzen wieder ins Zelt und es sind blo&szlig; noch zwanzig Mann &uuml;brig, dann &Auml;tsch: Arschkarte gezogen. Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie Fass-Aussaufen (es ist immer mehr drin, als man denkt) oder&nbsp;Restl austrinken. Jeder passt jetzt auf, dass keiner heimlich abhaut. Die ersten sacken einfach so vor der Theke zusammen, damit sie jedenfalls nicht noch mehr saufen m&uuml;ssen. Vorteil dieser Phase des Zeltfestes: Du musst nicht mehr extra nach drau&szlig;en latschen f&uuml;r Pissen und Kotzen: geht jetzt alles vor Ort.<\/p>\n<p>9. Nach Hause gehen<br \/>&nbsp;<br \/>F&auml;llt aus. Mach Dir keine Illusionen: alleine schaffst Du&#8217;s nicht mehr. Taxis gibt&#8217;s nicht auf&#8217;m Land und wenn, w&uuml;rden sie Dich bestimmt nicht mitnehmen. Deine Frau kommt nicht, um Dich zu holen, die ist froh, dass dieses Wrack nicht in der Wohnung liegt und der Gestank in die Polsterm&ouml;bel und Gardinen zieht. Was bleibt ist:<\/p>\n<p>10. Der Morgen danach<br \/>&nbsp;<br \/>Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Ritzen in der Zeltplane. Du wirst wach von einem Zungenkuss, wie Du ihn noch nie in Deinem ganzen Leben gekriegt hast. Leidenschaftlich k&uuml;sst Du zur&uuml;ck. Dann machst Du Deine verklebten Augen auf und blickst in das fr&ouml;hliche Gesicht des zottigen K&ouml;ters von dem Karussellfritzen. Und mit einem eigenen Beitrag zum Thema W&uuml;rfelhusten f&auml;ngt der Tag wieder an. Dein Kopf f&uuml;hlt sich an wie nach einem Steckschuss. Jetzt hilft nur noch: St&uuml;tzbier bis die Maschine wieder halbwegs normal l&auml;uft.<\/p>\n<p>{mos_fb_discuss:8}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_cbd_carousel_blocks":"[]","ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[92],"tags":[],"class_list":["post-854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-c1-ber-uns"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mv-dk.net\/wo\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}